Wohngemeinschaften

Demenz-WG im Herzen von Köln

Meine erste Besichtigung für diesen Blog führt mich gleich in meine alte Heimat, denn hier in der Kölner Innenstadt bin ich aufgewachsen. Die Demenz-WG liegt am Barbarossaplatz, mitten im “Hätz vun Kölle”. Die Umgebung ist mir also sehr vertraut, obwohl sich in den letzten 20 Jahren, da war ich zum letzten Mal hier, sehr viel verändert hat.

Ich persönlich finde es gut, dass eine Demenz-Wohngemeinschaft sozusagen mittendrin ist und nicht an den Rand der Stadt geschoben wurde. Alles ist in der Nähe: Einkaufsmöglichkeiten, Nahverkehr, Kirchen, also alles, was das Herz begehrt. Sicher ist diese Lage nichts für Menschen, die lieber im Grünen leben, aber ich als Stadtkind finde das toll.

Verabredet war ich mit Tanja Renner, ehrenamtlicher Vorstand (oder heißt es Vorständin?) des Vereins “Dabei sein! e.V”, der Hauptmieter der Wohnungen ist. Mit Tanja verstand ich mich auf Anhieb gut und wir duzten uns sofort, wie in Köln durchaus üblich. Schließlich wird man hier noch mit 80 zum Beispiel auf dem Markt mit “Wat kries du, Mädche” – “Was bekommst du, Mädchen” angesprochen. Unten im Haus befindet sich McDonalds, der Eingang zu den Wohnungen ist seitlich davon. Ohne Tanja hätte ich wahrscheinlich etwas suchen müssen.

 

 

 

Die Räumlichkeiten der Wohngemeinschaft befinden sich im zweiten und dritten Stock des Gebäudes. Auf dem Weg dorthin begegneten uns bereits einige HelferInnen mit Bewohnern zu Fuß oder im Rollstuhl. Alle wirkten sehr freundlich und gut gelaunt, was ich sofort mit “Positiv” in meinem Kopf abhakte. Wir besuchten beide Etagen, die jeweils Platz für 10 Bewohner bieten. Mein erster Eindruck bestätigte sich auch hier. Der Umgang mit den Demenzkranken erschien mir sehr liebevoll. Auch hier wird sich geduzt, was nichts mit Respektlosigkeit zu tun hat, sondern dem persönlichen Verhältnis zwischen Pflegern, Helfern und Bewohnern eher zuträglich ist. Aus diesem Grund gibt es auch keine Personalräume. Es soll erst gar keine Distanz zwischen Bewohnern und Pflegepersonal entstehen, sondern das Gefühl von Zuhause sein fördern. Laut Aussage von Tanja hat sich das sehr bewährt.

 

 

Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer, das leer vermietet wird. So können liebgewonnene Möbel gleich mit einziehen und zum Wohlbefinden beitragen. Auch in den großen Gemeinschaftsräumen befinden sich Sofas und Lieblingssessel der Bewohner. Es sieht dadurch etwas zusammengewürfelt aus, ist aber für die WG-Mitglieder wichtig.

Der Pflegedienst, der rund um die Uhr anwesend ist, betreut ausschließlich die Wohngemeinschaften, so daß erst gar kein Zeitdruck entstehen kann.  Auch die Angehörigen können und sollen sich einbringen. In jeder Wohngemeinschaft gibt es ein Ängehörigen-Gremium, das mitgestalten und Unstimmigkeiten möglichst schnell und unkompliziert beilegen soll.

Auf mich wirkte das Zusammenleben erstaunlich harmonisch. Sicher legt sich schon einmal jemand in das falsche Bett, dann legt sich der “Bettinhaber” halt woanders hin. Alles ganz locker, was in Altenheimen mit “normalen” Bewohnern und Demenzkranken in der Gemeinschaft oft nicht ohne grosses Gezeter abgeht. Genauso locker ist die “Haus(un)ordnung”:

 

 

Wir hoffen einmal, dass wir selbst keine Demenz bekommen. Einige von uns haben sicher Eltern, die leider unter dieser Krankheit leiden. Ich kann diese Wohngemeinschaft, in der die Demenzkranken bis zum Schluß leben können, durchaus empfehlen.

Mehr Informationen gibt es hier:  Zur Wohngemeinschaft und zum Pflegedienst

 

In eigener Sache:

Meine Besuche in den einzelnen Einrichtungen sind von mir selbst ausgewählt. Für diesen Bereich gibt es keine und wird es keine Kooperationen geben. Ich mache das ohne Bezahlung, damit in keiner Weise der Eindrcuk entstehen kann, ich wäre nicht objektiv.

 

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